Der Fahrrad-Boom ist elektrisch – inzwischen auch beim Pendeln

Auf den Straßen und in den Kellern und Garagen in Deutschland gibt es mittlerweile 90,6 Millionen Fahrräder. Das sind knapp 26 % mehr als 2015 – eine Steigerung, die vor allem den immer beliebteren E-Bikes zu verdanken ist. Dies zeigen die Marktdaten 2025, die die drei zentralen Verbände der deutschen Fahrradwirtschaft (ZIV, VSF und Zukunft Fahrrad) heute anlässlich ihrer gemeinsamen Jahrespressekonferenz in Berlin präsentierten.

Dabei erfreuen sich E-Bikes1) in vielen Teilen der Bevölkerung wachsender Beliebtheit. Auch Pendlerinnen und Pendler, die zur Arbeit radeln, sind gerne mit elektrischer Unterstützung unterwegs. Tatsächlich kann, dies unterstreicht eine beispielhafte Berechnung, das Umsatteln vom Pkw aufs E-Bike den mobilitätsbedingten CO2-Fußabdruck ganz erheblich verringern. Wie groß die CO2-Einsparung eines solchen Wechsels im individuellen Einzelfall ist, lässt sich schnell mit unserem Berechnungstool unten auf dieser Seite ermitteln.

Nahaufnahme von mehreren Fahrrädern in einem sonnendurchfluteten Fahrradgeschäft

Entwicklung des Fahrrad-Bestandes 2015-2025

Seit einem Jahrzehnt kennt die Zahl der Zweiräder in Deutschland nur eine Richtung – und die zeigt kontinuierlich nach oben (vgl. die folgende Grafik): Für das Jahr 2015 weist die ZIV-Statistik noch 72,1 Millionen Fahrräder inklusive E-Bikes aus; fünf Jahre später, im ersten Jahr der Corona-Pandemie, waren es bereits 79,8 Millionen (plus 10,7 %), zehn Jahre später sogar 90,6 Millionen (plus 25,7 %).

Das E-Bike – Rückgrat der Fahrradindustrie

Die Zunahme des Fahrrad-Bestandes um 18,5 Millionen im Zeitraum 2015-2025 geht vor allem auf das Konto der E-Bikes, die sich zum „Rückgrat der deutschen Fahrradindustrie“ entwickelt haben: Nach Angaben des ZIV stieg die Anzahl der Fahrräder mit Elektromotor im selben Zeitraum von 2,6 auf 17,2 Millionen – eine Steigerung um 14,6 Mio. Stück bzw. 560 %. Schon knapp jedes fünfte Fahrrad ist mittlerweile ein E-Bike.

Fahrradfahrten zur Arbeit häufig mit dem E-Bike

Die Studie „Mobilität in Deutschland (MiD) 2023“ des Bundesministeriums für Verkehr (BMV) wiederum bietet eine Fülle spannender Zahlen, Daten und Fakten zum Mobilitätsverhalten. Im Zusammenhang mit dem bundesweiten E-Bike-Boom nennt diese Studie vor allem zwei interessante Fakten.

  • Mit 34 von 115 Millionen Kilometern entfielen 2023 bereits knapp 30 % der durchschnittlichen täglichen Fahrleistung aller Zweiräder in Deutschland auf E-Bikes (S. 130).
  • Dabei sind nicht nur Fahrradfahrten in der Freizeit, sondern auch zur Arbeit häufig elektrisch unterstützt: Bereits „ein Viertel aller mit dem Fahrrad zurückgelegten Pendelwege“ erfolgte 2023 mit einem E-Bike (S. 136).

Wie viel CO2 spart der Wechsel vom Verbrenner aufs E-Bike?

Anders als konventionelle Fahrräder sind E-Bikes zunächst einmal keine klimafreundliche Form der Mobilität. Wenn aber eine Fahrt mit dem E-Bike eine Fahrt mit dem Pkw (oder Motorrad) ersetzt, ist man klimafreundlicher unterwegs. Eine Beispielrechnung zeigt, wie viel CO2 sich beim Berufspendeln durch das Umsatteln vom Auto aufs E-Bike einsparen lässt.2)

Person fährt mit dem Fahrrad und trägt dabei einen Helm sowie eine Umhängetasche; die Umgebung wirkt herbstlich und städtisch.
Das Umsatteln vom Verbrenner aufs E-Bike kann den mobilitätsbedingten CO2-Fußabdruck reduzieren.

Annahmen

  • Eine Frau, die beim Berufspendeln vom Verbrenner aufs E-Bike umsattelt, arbeitet an 220 Tagen im Jahr.
  • Zweimal wöchentlich bleibt sie im Homeoffice, dreimal pro Woche pendelt sie ins Büro – das sind 132 Tage jährlich.
  • Die Pendlerin wohnt in Essen und arbeitet im Finanzamt Mülheim an der Ruhr; beim Fahrrad beträgt die Entfernung 12 km, beim Auto 13 km pro Weg.
  • Beim Zweirad ergibt sich eine jährliche Fahrleistung von 3.168 km, beim Auto beträgt sie 3.432 km (die Parkplatzsuche am Arbeitsort nicht einkalkuliert).
  • Die Frau lädt den Akku ihres E-Bikes mit Ökostrom; daher betragen die Emissionen nicht 3, sondern 0 g Gramm CO2eq pro Personenkilometer (P*km).
  • Bei dem Auto, das die Pendlerin von nun an stehen lässt, entsprechen die Emissionen dem bundesweiten Pkw-Durchschnitt: 164 g CO2eq/P*km.

Jährliche CO2-Emissionen

938 kg CO₂/a
Pendeln mit dem Verbrenner an 5 Tagen pro Woche
563 kg CO₂/a
Pendeln mit dem Verbrenner an 3 Tagen pro Woche
0 kg CO₂/a
Pendeln per E-Bike (Ökostrom) an 3 oder 5 Tagen pro Woche
9,5 kg CO₂/a
Pendeln per E-Bike (deutscher Strommix) an 3 Tagen pro Woche

Fazit

Das Umsatteln vom Verbrenner aufs E-Bike kann die mobilitätsbedingten Treibhausgas-Emissionen deutlich senken – selbst wenn man zwei Tage die Woche im Homeoffice arbeitet (und sogar dann, wenn man keinen Ökostrom tankt).

Eine Emissionsminderung um 563 kg CO2eq/a entspricht gut 28 % des durchschnittlichen jährlichen Pro-Kopf CO2-Fußabdrucks der Mobilität in Deutschland (2,0 t CO2eq).

Machen Sie Ihre persönliche Rechnung auf!

Sie möchten wissen, um wie viel CO₂ Sie Ihre Emissionen senken, wenn Sie beim Pendeln vom Verbrenner aufs E-Bike umsteigen? Dann machen Sie eine Rechnung auf, die Ihre individuellen Rahmenbedingungen berücksichtigt. Nutzen Sie hierfür gerne unsere vorbereitete Excel-Datei zum Herunterladen.

Berechnungstool „CO₂-Reduzierung durch den Wechsel vom Verbrenner aufs E-Bike“ XLSX / 11,82 KB Download



Anmerkungen

1) Weil viele Menschen unter E-Bikes auch Pedelecs verstehen, wird der Begriff „E-Bike“ hier (wie auch vom ZIV) in diesem umgangssprachlichen Sinne gebraucht. Fachleute allerdings unterscheiden in Elektrofahrräder, bei denen kein Pedaldruck erforderlich ist, um den Elektroantrieb zuzuschalten („E-Bike“), und in Elektrofahrräder, bei denen man nur dann von einem Elektromotor unterstützt wird, wenn man in die Pedale tritt („Pedelec“).

2) Der Zeitvergleich von Tür zu Tür bringt eine weitere interessante Erkenntnis: Das Pendeln mit dem E-Bike dauert in unserem Beispiel kaum länger! Für den Pkw weist das Navi für die Wegstrecke Rüttenscheid-Mülheim eine Fahrzeit von 22 Minuten aus, wobei Staus sowie die Zeiten für die Parkplatzsuche am Arbeitsort und den Fußweg zum Arbeitsplatz nicht berücksichtigt sind. Für das normale Fahrrad (ohne Elektromotor) liegt die vom Navi ausgewiesene Fahrzeit bei 34 Minuten – wobei allerdings Staus und die Parkplatzsuche am Arbeitsort entfallen und das E-Bike bei einer Strecke von 12 km einige Minuten schneller am Ziel ist als das „Bio-Bike“. Unterm Strich bleibt demnach beim Pendeln mit dem Auto eine Zeitersparnis von (vielleicht) wenigen Minuten.

Quellen

Bildmaterial

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