CO₂-Emissionsfaktor des deutschen Strommix
1990 verursachte die Erzeugung von einer Kilowattstunde Strom in Deutschland im Schnitt 764 Gramm CO2, 2024 waren es nur noch 363 Gramm – ein Minus von 53 % innerhalb von 34 Jahren.
Ein Gradmesser für die Energiewende im Stromsektor ist der spezifische CO2-Emissionsfaktor des deutschen Strommix: Dieser Emissionsfaktor gibt an, wie viel Gramm Kohlendioxid (CO2) bei der Erzeugung von einer Kilowattstunde Strom durchschnittlich verursacht werden (Einheit: g CO2/kWhel). Im Jahr 1990 lag dieser Wert bei 764 Gramm CO2, 2024 waren es nach Schätzungen des Umweltbundesamtes (UBA) nur noch 363 g CO2/kWhel. Dies entspricht einer Reduzierung der spezifischen CO2-Emissionen des deutschen Strommix um 52,5 % in einem Zeitraum von 34 Jahren.
Jeder Brennstoff hat einen eigenen CO2-Emissionsfaktor
Wenn Energieträger verbrannt werden, setzen sie im Verhältnis zur gewonnenen Energie unterschiedlich viel Kohlendioxid (CO2) frei: Bei der Verbrennung von Erdgas zum Beispiel entsteht bezogen auf den Energiegehalt nur etwa halb so viel CO2 wie bei der Verbrennung von Braunkohle.*
Je nachdem, wie sich der deutsche Strommix zusammensetzt, ergibt sich deshalb auch für diesen Mix ein spezifischer, meist jährlich ausgewiesener Emissionsfaktor: Steigen die Anteile fossiler, vor allem emissionsintensiver Energieträger im deutschen Strommix, steigt auch dessen CO2-Emissionsfaktor; nehmen dagegen die Anteile der erneuerbaren Energien zu, sinkt der spezifische Emissionsfaktor des deutschen Strommix.
Entwicklung des CO2-Emissionsfaktors für den deutschen Strommix
Das nachfolgende Diagramm zeigt die Entwicklung des CO2-Emissionsfaktors für den Strommix in Deutschland in den Jahren 1990 bis 2024 (in Gramm CO2 pro Kilowattstunde Strom). Anhand der Trendlinie ist gut zu erkennen, dass der Emissionsfaktor – in der Grundtendenz und von einigen Ausnahmen abgesehen – seit 1990 kontinuierlich abgenommen hat.
Im Jahr 2020 wurden in Deutschland pro erzeugter Kilowattstunde Strom im Schnitt nur noch 365 Gramm CO2 emittiert, in den beiden darauffolgenden Jahren stieg dieser Wert zunächst auf 406 (2021) und dann auf 433 Gramm (2022). Die Hauptursachen für diesen Anstieg sind laut UBA unter anderem eine höhere Stromproduktion aus emissionsintensiver Kohle, ausgelöst durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und die damit verbundene Gaskrise, sowie der fortschreitende Atomausstieg.
In den beiden Jahren 2023 und 2024 wiederum ist der spezifische Emissionsfaktor des deutschen Strommix wieder deutlich gesunken – auf zunächst 386 (2023) und schließlich auf geschätzte 363 g CO2/kWh Strom.
* Anmerkung
Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin, weist darauf hin, dass die relativen Kohlendioxid-Emissionen je nach Kraftwerkswirkungsgrad steigen, wenn Brennstoffe für die Stromerzeugung eingesetzt werden: Je schlechter der Wirkungsgrad der Verstromung, desto größer die spezifischen Emissionen.