„Nicht immer nötig“ – Künstliche Intelligenz im Netz
Künstliche Intelligenz (KI) boomt, ChatGPT und KI-Avatare sind im Alltag angekommen. Doch was weiß man eigentlich über den Stromverbrauch solcher KI-Anwendungen? Und was können wir konkret tun, um den Stromverbrauch der Nutzung von Künstlicher Intelligenz im Netz zu reduzieren?
Verhagelte Klimabilanzen wegen Künstlicher Intelligenz
Eine Zahl wird in Fachkreisen immer wieder genannt, etwa von dem Datenwissenschaftler Alexander de Vries von der Universität Amsterdam: Im Vergleich zu einer Standard-Google-Suche verbraucht das Generieren einer KI-gestützten Antwort etwa zehnmal so viel Strom. Eine klassische Suchanfrage bei Google benötigt verhältnismäßig wenig Energie, weil die Suchmaschine zwar auf eine extrem große, aber dennoch begrenzte Zahl an Antworten zugreift. ChatGPT dagegen generiert bei jeder Frage eine neue Antwort. Und diese „generative KI“ ist ein Stromfresser, denn ihr Stromverbrauch beträgt ein Vielfaches.
SPIEGEL online weist darauf hin, dass die Künstliche Intelligenz Tech-Giganten wie Google bereits die Klimabilanz verhagelt. So musste Google 2024 in seinem Umweltbericht einräumen, dass der KI-Boom zu einem deutlichen Anstieg der Treibhausgas-Emissionen geführt hatte: Gegenüber 2019 war der CO2-Ausstoß des Unternehmens um 48 % gestiegen, allein im Jahr 2023 betrug der Anstieg der CO2-Emissionen 13 %. Damit beliefen sich die Treibhausgas-Emissionen des Tech-Konzerns 2023 auf 14,3 Millionen Tonnen CO₂ – das ist exakt dreimal so hoch wie der jährliche CO2-Ausstoß Düsseldorfs (4,63 Mio. Tonnen).
Strombedarf des Internets in der Größenordnung Japans
In welchen Dimensionen wir uns bewegen, wenn von einem zusätzlichen Strombedarf der KI die Rede ist, führt uns Goldman Sachs vor Augen: Die US-amerikanische Investmentbank erklärte im Mai 2024, dass KI den Strombedarf von Rechenzentren bis zum Jahr 2030 um 160 % steigern dürfte – eine Schätzung, die Goldman Sachs bereits im Februar 2025 auf plus 165 % korrigierte.
Schon jetzt ist der Stromverbrauch des Internets enorm: Wäre das World Wide Web ein Land, läge es laut dem Statistikdienstleister Statista beim weltweiten CO2-Ausstoß auf Platz 6, knapp hinter Japan. Allein in Deutschland verursacht es einen jährlichen Stromverbrauch von 13 Milliarden Kilowattstunden oder 13 Terawattstunden (TWh) – das entspricht etwa dem Jahresstromverbrauch Berlins (12,3 TWh).
Zwar mag der Stromverbrauch, den ein KI-Avatar oder eine Abfrage bei ChatGPT verursacht, gering erscheinen: Die Internationale Energieagentur (IEA) beziffert den Verbrauch pro Abfrage auf 2,9 Wh, ChatGPT selbst hat diesen Verbrauch auf 1 bis 5 Wh geschätzt. (Zum Vergleich: Eine 10-Watt-LED-Lampe verbraucht in einer Stunde 10 Wattstunden Strom.) Wenn aber alle 5,5 Milliarden Internetnutzerinnen und -nutzer weltweit (regelmäßig) einen KI-Chatbot nutzen und sich einen KI-Avatar zulegen, ergibt sich durch diese KI-gestützten Alltagsanwendungen ein immenser Mehrverbrauch.
Die gute Nachricht lautet: Dieser zusätzliche Stromverbrauch ist in Teilen vermeidbar.
7 Tipps, was jeder und jede Einzelne tun kann
- Nutzen Sie Ökostrom – der nicht per se teurer ist, nur weil er ein anspruchsvolles Label hat.
- Wechseln Sie zu einem Internetanbieter, dem Klimaschutz wichtig ist. Vergleichsportale helfen Ihnen bei der Auswahl eines entsprechenden Providers.
- Surfen und streamen Sie bevorzugt über WLAN oder LAN statt über Mobilfunk.
- Google verarbeitet etwa 3 Billionen Suchanfragen pro Jahr, das sind rund 8,2 Milliarden Suchen pro Tag. Nutzen Sie für Ihre Suchanfragen lieber eine alternative Suchmaschine wie zum Beispiel Ecosia – laut Selbstauskunft die „grünste Suchmaschine der Welt“.
- Egal ob bei einer Suchmaschine oder bei ChatGPT – starten Sie Suchanfragen nicht zum Zeitvertreib, sondern für die Informationsrecherche.
- Nutzen Sie ChatGPT am besten nur dann, wenn eine Standardsuche nicht weiterhilft und Sie wirklich eine individuelle, KI-gestützte Antwort benötigen. Und „bitte“ und „danke“ gehören zwar in der zwischenmenschlichen Kommunikation zum guten Ton, beim Chatbot dagegen treibt auch diese (unnötige) Höflichkeit den Stromverbrauch.
- Überlegen Sie, ob Sie einen KI-Avatar tatsächlich brauchen, und gönnen Sie sich stattdessen den Luxus, ohne die Hilfe einer solchen Figur in den Sozialen Netzwerken unterwegs zu sein. Ein KI-Avatar mag uns zwar von den „Grenzen des Selbstausdrucks“ befreien („Gratis!“). Doch aus Klimaschutzsicht hat das seinen Preis: „Gratis“ heißt hier nicht „kostenlos“, denn im Hintergrund laufen die Rechenzentren.
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de Vries, Alex: The growing Energy footprint of artificial intelligence. In: Joule, Ausgabe vom 18.10.2023, S. 1-4 -
Artikel „KI verhagelt Google und Microsoft die Klimabilanz“ vom 03.07.2024 auf SPIEGEL online -
Artikel „AI is poised to drive 160 % increase in data center power demand“ vom 14.05.2024 auf der Website von Goldman Sachs -
Artikel „AI to drive 165 % increase in data center power demand by 2030“ vom 04.02.2025 auf der Website von Goldman Sachs -
Infografik „So viel Energie verbraucht das Internet“ vom 21.06.2023 auf der Website von Statista -
Artikel „Grüner surfen: Bewusste Gerätenutzung und klimafreundliche Anbieter“ auf der Website des Umweltbundesamtes (UBA) vom 21.10.2024