Der „Circle of Influence“ – oder: Von den Mängeln zu den Möglichkeiten
Undichte Fenster, schlechte Dämmung, alte Heizung – widrige Rahmenbedingungen können die Sensibilisierung für das energiebewusste Verhalten erschweren. Eine neue Handreichung der mission E für alle klimabewegten Beschäftigten der Landesverwaltung hilft, Widerständen gegen Verhaltensänderungen konstruktiv zu begegnen: Der „Circle of Influence“ verschiebt die Perspektive von den Mängeln zu den Möglichkeiten – weg von den Rahmenbedingungen außerhalb der eigenen Reichweite hin zu dem, was man tatsächlich beeinflussen und ändern kann. Und das ist eine ganze Menge.
Drei Bereiche: Bedenken, Einfluss und Kontrolle
Der Circle of Influence stammt von Stephen R. Covey. Der US-amerikanische Bestsellerautor präsentierte dieses Achtsamkeits- und Produktivitätsmodell 1989 in seinem Buch „Die 7 Wege zur Effektivität“, das sich bereits über 40 Millionen Mal verkauft hat.
Im Sinne der Achtsamkeit kann der Circle of Influence dabei helfen, Stress abzubauen: Dieses Konzept konzentriert sich auf das, was wir beeinflussen können – durch individuelles Handeln, persönliche Entscheidungen und die eigene Kommunikation. Und nicht auf die Rahmenbedingungen, die die meisten von uns eben nicht ändern können. Hierfür unterscheidet Covey drei Bereiche: den Bedenkenbereich („Circle of Concern“), den Einflussbereich („Circle of Influence“) und den Kontrollbereich („Circle of Control“).
Der Clou dabei: Der Bedenkenbereich ist zwar da, der Fokus gilt aber den anderen beiden Segmenten – auch beim Klimaschutz.
Vom „Was mich stört!“ zum „Was geht?“
Widerstände gegen das energiebewusste Verhalten sind nachvollziehbar, wenn zum Beispiel eine alte Heizung oder eine schlechte Dämmung zu Komforteinbußen für die Beschäftigten führt. Allerdings verengt der Verweis auf unbefriedigende Rahmenbedingungen die Perspektive – und schiebt sowohl die individuelle Verantwortung als auch die sich bietenden Chancen beiseite.
Am Ende lässt es uns passiv zurück, wenn wir uns auf das konzentrieren, was uns stört, was wir aber nicht ändern können. Der Circle of Influence dagegen hilft, vor allem auf das zu schauen, was wir beeinflussen können.
Dieses Modell hebt hervor, was sich durch eigenes Handeln, Entscheidungen und Kommunikation gestalten lässt. Und der Fokus auf dem „Was geht?“ kann motivieren und aktivieren, selbst wenn Rahmenbedingungen zu Wünschen übriglassen. Die Konkretisierung von Coveys Konzept für normale Beschäftigte der Landesverwaltung zeigt (für Beschaffungspersonal, BLB- und IT-Fachleute usw. ergeben sich andere Ausprägungen):
- Sie können sich energiebewusster verhalten (den CO2-Fußabdruck verringern),
- sie können Einfluss auf Andere nehmen (den CO2-Handabdruck vergrößern), und
- sie können mitunter sogar zum Wandel des Systems beitragen.
Ein Beispiel macht das Konzept greifbar:
- Circle of Control: Wenn ein Beschäftigter seine Bürogeräte zum Feierabend vom Stromnetz trennt (etwa mithilfe einer abschaltbaren Steckdosenleiste), verringert sein persönliches Verhalten den Energieverbrauch und den CO2-Fußabdruck.
- Circle of Influence: Wenn eine Beschäftigte auch Kolleginnen und Kollegen ermuntert, zum Feierabend ihre abschaltbaren Steckerleisten zu nutzen, nimmt sie Einfluss auf das Verhalten von Anderen – und vergrößert so ihren CO2-Handabdruck.
- Circle of Concern: Wenn Beschafferinnen und Beschaffer (in Abstimmung mit den IT-Fachleuten) für eine ganze Behörde abschaltbare Steckdosenleiste anschaffen, verändern sie eine Rahmenbedingung und tragen so zum Wandel pro Klimaschutz bei.
Blanko-Vorlage für Gespräche vor Ort
Mit unserer Blanko-Vorlage dieses Tools im internen Bereich dieser Website lassen sich individuelle Versionen des „Circle of Influence“ entwickeln, zum Beispiel gemeinsam mit den Beschäftigten in Gesprächen vor Ort.
Freifelder in dem Scheibendiagramm bieten Platz für individuelle Antworten auf Fragen, die zunächst den CO2-Fußabdruck („Circle of Control“) und den CO2-Handabdruck („Circle of Influence“) thematisieren – und erst dann ggf. den Wandel („Circle of Concern“), das heißt die Rahmenbedingungen, die oft außer Reichweite sind:
- Wie können Sie Ihren eigenen Strom-, Wärme- und Kraftstoffverbrauch senken und Ihre CO2-Emissionen verringern?
- Welche konkreten Optionen haben Sie, um andere dazu zu bewegen, sich ebenfalls energie-bewusst zu verhalten?
- Können Sie eventuell Rahmenbedingungen verändern und zu einem systemischen Wandel beitragen?
Ein Tool, das die Selbstwirksamkeit stärkt
Auch wenn dieser Perspektivwechsel nicht dasselbe leistet wie neue Fenster oder eine einwandfrei funktionierende Heizung: Er begegnet Widerständen konstruktiv. Und weil Circle of Influence den Fokus auf die Handlungsoptionen jeder und jedes Einzelnen richtet, kann er auch das motivierende Gefühl der eigenen Selbstwirksamkeit stärken – eine ausgesprochen gute Basis für energie- und klimabewusstes Verhalten.